So wirst du stinkreich im boomenden Asien: Roman (German Edition) by Hamid Mohsin

So wirst du stinkreich im boomenden Asien: Roman (German Edition) by Hamid Mohsin

Autor:Hamid, Mohsin [Hamid, Mohsin]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Roman
ISBN: 9783832187477
Herausgeber: DUMONT Buchverlag
veröffentlicht: 2013-08-21T22:00:00+00:00


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FREUNDE DICH MIT EINEM BÜROKRATEN AN

Kein Selbsthilfebuch ist vollständig, ohne unser Verhältnis zum Staat zu berücksichtigen. Denn gäbe es eine kosmische Liste der Dinge, die uns, Leser und Autor, verbinden, eine Liste, die, für uns sichtbar, in die Ferne abrollt ähnlich dem Vorspann eines monumentalen Science-Fiction-Films, dann stünde hell leuchtend darauf, dass wir in einem finanziellen Universum existieren, das massiven Gravitationskräften von Staaten ausgesetzt ist. Staaten zerren an uns. Staaten verbiegen uns. Und unermüdlich versuchen Staaten, unsere Kreisbahn zu bestimmen.

Man könnte daher annehmen, dass der verlässlichste Weg, stinkreich zu werden, der ist, den überlichtschnellen Marketingantrieb zu zünden und in Geschäftsnebel zu düsen, die dem herrschaftlich wirtschaftlichen Zugriff des Staates so fern wie nur irgend möglich sind. Doch das wäre falsch. In der barbarischen, von der Staatsmacht am weitesten entfernten Ödnis Unternehmer zu sein ist ein gefahrvolles Unterfangen, ein ständiger Kampf, eine Sache von Töten oder Getötet werden und mit wenig Erfolgsgarantie.

Nein, ein weit vernünftigerer Ansatz ist es, die Staatsgewalt zum persönlichen Nutzen einzuspannen. Zwei verwandte Kategorien von Akteuren verstehen das schon seit langem. Bürokraten, die eine Staatsuniform tragen, dabei aber insgeheim ihre Privatinteressen verfolgen. Und Banker, die eine private Uniform tragen, dabei aber insgeheim vom Staat unterstützt werden. Daher brauchst du die Hilfe von beiden. Doch im boomenden Asien folgen Banker gern, wo Bürokraten führen, daher hängt dein anhaltender Erfolg entscheidend davon ab, dich mit dem richtigen Bürokraten anzufreunden.

Jetzt sitzt du vor ihm in seinem Regierungsbüro, es ist geräumig, aber schäbig, wie solche Büros eben sind, mit verstaubten Fenstern, gerahmten Porträts zweier Staatsmänner, der eine tot, der andere lebend, und klobigen hölzernen Sitzmöbeln, die gepolstert werden müssten und, wenn umgruppiert, mit Leichtigkeit die doppelte Anzahl von Besuchern aufnehmen könnten, die durch ihre gewichtige und ineffiziente Weigerung, dies zu tun, aber ein lautes und eindeutiges Willenssignal aussenden. Viele Bestechungsgelder sind geflossen, um dieses Treffen zu ermöglichen, vor allem an den Privatsekretär des Bürokraten, ohne dessen Einwilligung sich wohl nie ein Termin in seinem Kalender auftut, und so bist du also hier, beim Oberboss persönlich, um dein Anliegen vorzutragen.

Der Bürokrat zündet sich in Missachtung der Nichtraucherbestimmungen eine erlesene, teure Geschenkzigarre aus seinem wohlbestückten Humidor an, während er dir lediglich eine Tasse Tee anbietet. Er kennt Leute wie dich, Selfmademen, aufstrebend, und wegen seiner Bildung, Herkunft und Wesensart betrachtet er dich voller Verachtung, aber auch Befriedigung, denn von Bittstellern, die den Status quo infrage stellen wollen, ist in der Regel mehr Geld zu erwarten als von solchen, die ihn lediglich aufrechterhalten wollen.

Du bist auf einem hindernisreichen Instanzenweg zu ihm gekommen. Verweigerte Genehmigungen, nicht bestandene Prüfungen, unsachgemäß abgelesene Zähler, eingeleitete Buchprüfungen, all diese Schummeleien und Scherereien hast du im Lauf der Jahre überwunden, indem du untere und mittlere Chargen geschmiert hast. Aber dann bist du in eine Sackgasse geraten. Deine Firma läuft inzwischen einigermaßen korrekt, wenigstens soweit es dein Produkt angeht, indem es weitgehend dem allgemein anerkannten Standard entsprechend sterilisiert und unter deinem eigenen Namen abgefüllt wird. Doch die Expansion in die erste Liga, in den Massenmarkt des städtischen Leitungswasserdeals, bleibt dir verwehrt. Nur



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